Die Komposition war wegen seiner angegriffenen Gesundheit mühsam für Haydn. Gemäß seinem frühen Biografen Georg August Griesinger soll er sich zudem „oft bitterlich über den unpoetischen Text” van Swietens beklagt haben. [1] Er brauchte zwei Jahre, um Die Jahreszeiten fertigzustellen. Die Uraufführung am 24.. J. HAYDN – DIE JAHRESZEITEN (THE SEASONS) J. HAYDN – DIE JAHRESZEITEN (THE SEASONS)
Das Musikwerk Die Jahreszeiten ist ein 1801 uraufgeführtes weltliches Oratorium von Joseph Haydn (Hob. XXI:3) nach einem Libretto von Gottfried van Swieten. Es war das letzte seiner vier Oratorien.
Komposition, Uraufführung und Rezeption
Haydn wurde zur Komposition der Jahreszeiten durch den großen Erfolg seines vorhergehenden Oratoriums Die Schöpfung (1798) angeregt, das zu dieser Zeit in ganz Europa aufgeführt wurde. Wie bei jenem Werk wurde das Libretto zu Die Jahreszeiten von Baron Gottfried van Swieten verfasst, einem österreichischen Adligen, der auch einen großen Einfluss auf Mozarts Karriere gehabt hatte. Van Swietens Libretto war dessen eigene deutsche Wiedergabe eines Auszugs aus dem englischen Versepos von James Thomsons The Seasons.
Die Komposition war wegen seiner angegriffenen Gesundheit mühsam für Haydn. Gemäß seinem frühen Biografen Georg August Griesinger soll er sich zudem „oft bitterlich über den unpoetischen Text“ van Swietens beklagt haben. Er brauchte zwei Jahre, um Die Jahreszeiten fertigzustellen.
Die Uraufführung am 24. April 1801 im Stadtpalais Schwarzenberg in Wien wurde zwar ein Erfolg, der aber nicht mit dem der drei Jahre zuvor ebenfalls hier uraufgeführten Schöpfung vergleichbar war:
Auch in der Folgezeit wurden Die Jahreszeiten deutlich seltener aufgeführt als das frühere Oratorium.
Der Grund für die geringere Beliebtheit wird weniger bei der Musik als beim Libretto gesucht. Oratorien wurden typischerweise zu christlichen Themen geschrieben und bezogen ihre Textgrundlagen häufig aus der Bibel oder Heiligengeschichten. Das Libretto der Jahreszeiten dagegen ist weitgehend deskriptiv auf den Jahres- und Tageskreis bezogen. Lediglich der Finalsatz spricht als wertvoller anerkannte Themen an (die Bedeutung des Lebens, das ewige Leben). Diese Schlusspassagen sind auffallenderweise keine Übersetzungen aus dem Gedicht von Thomson, sondern originale Arbeiten van Swietens.
Die Jahreszeiten entsprechen somit inhaltlich weder einem religiös geprägten Oratorium noch dem Ideal eines Kunstwerks im Geiste der Aufklärung, ihre heiteren wie eindringlichen Naturschilderungen und Verklärungen des Landlebens zeigen vielmehr Einfluss der Philosophie Rousseaus. Die Position Haydns in diesem Spannungsfeld ist nicht letztgültig zu klären. Griesinger berichtet, Haydn habe sich eher distanziert zum Text von So löhnet die Natur den Fleiß geäußert, der eine nüchterne Arbeitsethik verklärt: Er sei zwar sein ganzes Leben lang ein fleißiger Mann gewesen, wäre jedoch nie auf die Idee gekommen, „den Fleiß in Noten zu setzen“. Albert Christoph Dies, ebenfalls ein früher Biograf Haydns, erzählt andererseits, dass Haydn sich vom Text zu Juhe! Der Wein ist da angeregt fühlte, in der Schlussfuge musikalisch die Trunkenheit darzustellen. Dies gibt einen Ausspruch Haydns so wieder: „Mein Kopf … war so voll von dem tollen Zeuge: es lebe der Wein, es lebe das Faß! daß ich alles darüber und darunter gehen ließ; ich nenne daher die Schlußfuge die besoffene Fuge.“
Van Swieten soll Haydn teilweise detaillierte Anweisungen zur Komposition gegeben haben. Bezüglich einer Stelle ist das in einem Brief von Haydn an August Eberhard Müller bezeugt, der für den Musikverlag Breitkopf & Härtel den Klavierauszug der Jahreszeiten anfertigte. Es geht um die Passage „Und aus dem Sumpfe quakt der Frosch“ im Terzett und Chor Die düstren Wolken trennen sich, an der Haydn in der Partitur eine lautmalerische Figur eingesetzt hatte: „[D]iese ganze Stelle als eine Imitazion eines frosches ist nicht aus meiner feder geflossen; es wurde mir aufgedrungen diesen französischen Quark niederzuschreiben; mit dem ganzen Orchester verschwindet dieser elende gedanke gar bald, aber als Clavierauszug kann derselbe nicht bestehen.“ Die Bezeichnung als „französisch“ bezieht sich gemäß Griesinger auf den Komponisten André-Ernest-Modeste Grétry, von dem die Idee stamme, deren Übernahme van Swieten gewünscht habe. Wohl durch eine Indiskretion Müllers gelangte dieses Briefzitat zu dem Redakteur Karl Spazier, der es im Dezember 1801 in seine Rezension einer Leipziger Aufführung der Jahreszeiten aufnahm; diese wurde in Spaziers Zeitung für die elegante Welt veröffentlicht. Gottfried Christoph Härtel und Griesinger, der als Mittler zwischen dem Verlag und Haydn tätig war, hofften beide, dass van Swieten diese peinliche öffentliche Referenz nicht zu Gesicht bekommen werde, doch im März 1802 war es so weit. Griesinger schrieb an Härtel, van Swieten habe geschimpft: „Dem Haydn wolle er die Äusserung, dass ihm das Froschgequäk aufgedrungen worden sey, mit Salz und Pfeffer einreiben und es sey eine eclatante Indiscretion, dass Sie Haydnsche Briefe abdruken lassen.“ Dank Griesingers diplomatischem Geschick beruhigte sich van Swieten aber bald wieder: „Der Sturm ist jetzt vorüber.“
Besetzung
Die Jahreszeiten ist für ein großes spätklassisches Orchester geschrieben, zumeist vierstimmigen Chor und drei Vokalsolisten, die archetypisch das Landvolk repräsentieren: Simon (Bass), Lukas (Tenor), und Hanne (Sopran). Die Besetzung der Solostimmen ist somit die gleiche wie in der Schöpfung.
Das Orchester besteht aus zwei Flöten (2. auch Piccolo), zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten und zusätzlich Kontrafagott, jeweils zwei (im Schlusschor drei) Waldhörnern und Trompeten (Clarini), Kesselpauke, Triangel, Tamburin, zwei Posaunen und Bassposaune sowie dem üblichen Streicherensemble mit erster und zweiter Violine, Viola, Cello, und Kontrabass. Für die Secco-Rezitative: Cembalo oder Hammerklavier (Violoncello und Kontrabass ad libitum).
Inhalt
In vier in sich geschlossenen Kantaten wird der Verlauf der Jahreszeiten aus Sicht des Bauernvolks beschrieben: Der Pächter Simon (Bass), dessen Tochter Hanne (Sopran) und der junge Bauer Lukas (Tenor) treten als Erzählstimmen auf.
Der Frühling ist die Zeit der Saat und der Hoffnung: In der düsteren Einleitung wird das Ende des Winters beschrieben, bevor heitere Gesänge die Freuden des Lenz verkünden. Nachdem der Ackermann, den Haydn die wohlbekannte Melodie aus der Symphonie mit dem Paukenschlag nachpfeifen lässt, die Saat ausgebracht hat, wird um Segen und Regen gebeten. Mit einem fulminanten Freudenlied geht der Frühling zu Ende.
Im zweiten Teil wird ein Tag im Sommer geschildert: Nach der Morgendämmerung weckt der Hahn die Hirten auf, bevor die Sonne „in flammender Majestät“ aufgeht. Der friedlichen, pastoralen Szenerie setzt ein dramatisches Gewitter ein Ende – das sich genauso schnell verzieht, wie es aufgekommen ist: Abendfrieden macht sich breit, als die ersten Sterne aufgehen.
Der Herbst ist in drei Teile gegliedert: Der Landmann freut sich über die reiche Ernte, die sogleich eingeholt wird, und Hanne und Lukas schwören sich ewige Liebe und Treue. Danach geht es vom Feld in den Wald, und Chor und Solostimmen besingen die erfolgreiche Jagd auf einen Hirsch. In der abschließenden Weinlese wird in den Weinbergen übermütig gesungen, getanzt und vor allem getrunken.
Mit dem Winter legt sich dichter Nebel über das Land, und Dunkelheit macht sich breit. Ein verirrter Wanderer findet Schutz in einem belebten Bauernhaus. Dort wird in der warmen Stube gesponnen, geschwätzt und gesungen – Hanne erzählt zur Unterhaltung der anderen eine schelmische Liebesgeschichte. Die anschließende Arie des Simon erweitert die Thematik um eine metaphysisch-religiöse Ebene und stellt den Verlauf der Jahreszeiten dem eines Menschenlebens gegenüber. In einem sich immer weiter steigernden Wechselgesang zwischen Solostimmen und Chor wird die Hoffnung besungen, aus dem ewigen Winter des Todes Erlösung im himmlischen, immerwährenden Frühling zu finden.
Musiknummern und Text
Die Jahreszeiten sind in vier Teile aufgeteilt: „Der Frühling“, „Der Sommer“, „Der Herbst“ und „Der Winter“.
Der Frühling
1. Einleitung und Rezitativ
2. Chor des Landvolks
3. Rezitativ
4. Arie
5. Rezitativ
6. Bittgesang
7. Rezitativ
8. Freudenlied
Der Sommer
9. Einleitung und Rezitativ
10. Arie und Rezitativ
11. Terzett und Chor
12. Rezitativ
13. Cavatine
14. Rezitativ
15. Arie
16. Rezitativ
17. Chor
18. Terzett mit Chor
Der Herbst
19. Einleitung und Rezitativ
20. Terzett und Chor
21. Rezitativ
22. Duett
23. Rezitativ
24. Arie
25. Rezitativ
26. Chor der Landleute und Jäger
27. Rezitativ
28. Chor
Der Winter
29. Einleitung und Rezitativ
30. Cavatine
31. Rezitativ
32. Arie
33. Rezitativ
34. Lied mit Chor
35. Rezitativ
36. Lied mit Chor
37. Rezitativ
38. Arie
39. Terzett und Chor
Literatur
- Ullrich Scheideler: Die Jahreszeiten. Hob. XXI:3. In: Silke Leopold, Ullrich Scheideler (Hrsg.): Oratorienführer. Metzler und Bärenreiter, Stuttgart/Weimar und Kassel 2000, S. 314–317.
- James Thomson, Wolfgang Schlüter: The Seasons/Die Jahreszeiten. Engeler, Weil am Rhein, Basel 2003, ISBN 3-905591-68-5.
- Sabine M. Gruber: Mit einem Fuß in der Frühlingswiese. Ein Spaziergang durch Haydns Jahreszeiten mit Sprachbildern von Nikolaus Harnoncourt. Illustriert von Tomek Luczynski. Residenz, Salzburg 2009, ISBN 978-3-7017-1517-6. Neuauflage: Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2025, ISBN 978-3-99126-377-7.
- Armin Raab: Die Jahreszeiten. In: Armin Raab, Christine Siegert, Wolfram Steinbeck (Hrsg.): Das Haydn-Lexikon. Laaber-Verlag, Laaber 2010, ISBN 978-3-89007-557-0, S. 353–360.
Siehe auch
- Die vier Jahreszeiten (Vivaldi, 1725)
- Die Tageszeiten (Telemann, 1757)
Weblinks
- Erstdruck des Librettos in: Allgemeine musikalische Zeitung, Jg. 3, Mai 1801, Beilage VII, S. XIX–XXVI
- Noten im International Music Score Library Project
- Die Jahreszeiten: MIDI/MP3-Version, mit Text und Übungsdateien für Choristen
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